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NABU Naturschutzzentrum Federsee
> Aktuell > aktueller Naturbeobachtungstipp

  Naturbeobachtung im Juli
Die Wasservögel führen ihre Jungen

Federsee mit Bussen
Im Juli stehen die Feuchtwiesen rund um den Federsee in voller Blüte: Mädesüß, Baldrian, Zungenhahnenfuß, Sumpfblutauge und Sumpfkratzdistel garnieren die Wiesen mit Farbtupfen. Braunkehlchen, Wiesenpieper, Feldschwirl und Rohrammer haben Junge. Die Eltern füttern sie auch nach dem Ausfliegen noch einige Tage und warnen dann oft auffällig.
Im Schilfröhricht singen Teichrohrsänger und Rohrschwirl nur noch sporadisch. Sie haben jetzt Junge. Die jungen Rohrweihen warten auf Büschen darauf, dass ihre Eltern sie füttern. Schon nach wenigen Tagen übergeben diese ihrem Nachwuchs die Mäuse jedoch im Flug - ein interessantes Schauspiel!
Auf dem Federsee führen Haubentaucher, Blässhühner und Höckerschwäne ihre Jungen. Flussseeschwalben jagen elegant über das Wasser. Sie haben auf vom NABU ausgebrachten Nistflößen gebrütet und betreuen ihre flüggen Jungen noch wochenlang, bis diese selber fischen können. Die Teichrosen blühen jetzt und bilden eindrucksvolle Teppiche. Das Wasser ist so klar, dass man zahlreiche Unterwasserpflanzen erkennt.
 

  Die Wiesenapotheke ist eröffnet
Gegen alles ist ein Kraut gewachsen


Mädesüß
Im Juni und Juli blühen interessante Heilpflanzen auf den Riedwiesen rund um den Federsee: Mädesüß, Baldrian und Bittersüßer Nachtschatten.
Eine besonders auffällige Feuchtwiesenpflanze ist das Mädesüß, eine hohe Staude mit gelblich weißen Blüten. Der Name „Mädesüß“ stammt von der früheren Verwendung als Aromastoff für den Met, dem Honigwein der Germanen. Und tatsächlich riecht die Blüte süßlich-aromatisch. In der Volksheilkunde wurde diese Heilpflanze als Schweiß treibendes sowie Schmerz linderndes und Fieber senkendes Mittel eingesetzt, vor allem bei rheumatischen Erkrankungen. Tatsächlich wurde im Mädesüß eine Schmerz stillende Substanz nachgewiesen, nämlich den Grundstoff des Aspirins – welch´ günstige Kombination für reichlichen Metgenuss ohne unangenehme Folgen!
Eine besonders hübsche Heilpflanze kann man bei einem Spaziergang auf dem Federseesteg entdecken: der Bittersüße Nachtschatten mit seinen dunkel lila Blüten rankt sich wie eine Liane am Schilf empor, dem Licht entgegen. Sein Name rührt von der früheren Heilanwendung gegen nächtliche Alpträume („Nachtschaden“). Auch gegen Krebs kam diese Pflanze zum Einsatz. Heute ist sie in der Homöopathie als harntreibendes Mittel bekannt.
 

  Heuschreckenkonzerte, Bienensummen und Schmetterlingsvielfalt
Reiches Insektenleben in den naturnahen Feuchtwiesen

 Schachbrettfalter
Jetzt im Sommer ist Hochsaison für Insekten. Jede Menge interessantes Kleingetier krabbelt auf den Stängeln, nascht hier an einem Blatt, saugt dort ein Schlückchen Nektar. Schmetterlinge gaukeln von Blüte zu Blüte, Schwebfliegen stehen vor einer Blüte wie ein Hubschrauber in der Luft, Heuschrecken verraten sich durch ihre rhythmischen Geräusche. Gut getarnte Krabbenspinnen lauern in den Blüten auf Beute. Die Wiese lebt!
Die pflanzliche Vielfalt auf den Riedwiesen rund um den Federsee bietet einer Vielzahl an Insekten Lebensraum und Nahrung. So kommen im Federseegebiet über die Hälfte der der Baden-Württembergischen Schmetterlingsarten vor: an die 70 verschieden Tagfalterarten und sogar 500 Nachtfalterarten. Darunter sind auch heute selten gewordene Arten wie der auffällige Schwalbenschwanz. Bei einem Besuch der Bannwaldwiese kann man den Tanz der Argusbläulinge erleben!
Im Hochsommer kommen die Heuschrecken in Konzertstimmung. Eine vielstimmige Geräuschkulisse aus Schnarren, Zirpen und rhythmischen Schwirren begleitet den Spaziergänger. Gut getarnt geben sich die Konzertmeister die Ehre. Bei den meisten Heuschrecken ist Geigen übrigens reine Männersache. Heuschreckenmännchen arbeiten mit einer Kodierung: Um zu verhindern, dass sich die Weibchen mit dem Falschen einlassen, hat jede Heuschreckenart ihre eigene „Sprache“. Unterschiedliche Tonhöhen und Rhythmen der Zirplaute verraten die Artzugehörigkeit.


 

  Fledermäuse
Batmans echte Verwandte

Fledermaus
Im Sommer sieht man in lauen Nächten häufig Fledermäuse bei der Jagd um Laternen oder im Park. Die heimlichen Gesellen „sehen“ mit den Ohren: Sie orientieren sich über Ultraschall-Laute, die ihnen ein Hörbild ihrer Umgebung vermitteln. Die Hälfte aller deutschen Fledermausarten kommen am Federsee vor – dank der Natur schonenden Bewirtschaftung der Feuchtwiesen rund um den Federsee finden sie hier genug Insektennahrung.
Lassen Sie sich bei unseren Fledermaus-Abenden von ihren unglaublichen Sinnesleistungen überraschen! Bei der Fledermauspirsch werden verschiedene Jagdplätze von Fledermäusen besucht. Spezielle Fledermaus-Suchgeräte machen dabei die Ultraschall-Laute hörbar, mit denen Zwerg- und Wasserfledermaus ihre Beute orten. Ohne technische Hilfe sind diese Laute für das menschliche Ohr zu hoch und daher nicht wahrnehmbar.
 

  Libellen - auf gläsernen Schwingen
Liebesflug im Tandem


Norman Schiwora
Der Hochsommer ist die Zeit der Libellen - leicht beschwingt, mit filigran geäderten Flügeln patrouillieren sie durch ihr Revier. Sie können mit einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern durch die Luft jagen, abrupt stehen bleiben und dann ebenso plötzlich rückwärts weiter fliegen. Dabei können sie ihre beiden Flügelpaare sogar unabhängig voneinander bewegen! Die völlig an das Leben in der Luft angepasste Konstruktion des Libellenkörpers stand Pate für die Erfindung des Hubschraubers: stabile, längliche Flügel als Rotorblätter, eine kompakte Kanzel, ein schlanker Rumpf, lange Beine als Landekufen.
40 Libellenarten gibt es am Federsee. Als Larven leben Libellen im Wasser, häufig jahrelang, und häuten sich während dieser Zeit mehrmals, wenn die alte Larvenhaut zu eng geworden ist. Sie leben räuberisch: Ihre Beutetiere sind kleine Wasserinsekten wie Eintagsfliegenlarven. Diese überwältigen sie, indem sie eine unter den Körper geklappte Fangvorrichtung, die Fangmaske, abrupt hervor schleudern und das überrumpelte Beutetier packen. Erst die „fertige“ Libellenlarve verlässt das Wasser, kriecht an Pflanzenstängeln empor und durchbricht am Rücken die unscheinbar braune Larvenhaut. Solche verlassenen Häute kann man bei genauem Hinsehen an den Uferpflanzen einige Handbreit über der Wasserlinie entdecken. Die frisch geschlüpfte Junglibelle muss dann ihre noch zusammengefalteten Flügel aufpumpen und an der Luft härten, bevor sie startbereit ist.
 

  Spinnen - jetzt beobachten
Jäger und Fallensteller

 
Bildquelle NABU/Reufsteck
Wer im Spätsommer und Frühherbst einen Morgenspaziergang macht, wird mit zauberhaften Kunstwerken belohnt – mit Tautropfen besetzte Spinnennetze, ungemein pfiffige Konstruktionen. Kreuzspinnen spannen große, stabile Radnetze, Trichterspinnen röhrenartige Trichter. Baldachinspinnen weben im Gebüsch einen Netzteppich, von dem “Stolperfäden” nach oben führen, die fliegende Beute zum Absturz bringen. Es lohnt sich, einer Kreuzspinne beim Spinnen zuzuschauen: Aus einer Spinndrüse am Hinterleib presst sie einen hauchfeinen, aus bis zu 600 Einzelfäden bestehenden Seidenstrang, läßt ihn vom Wind verdriften, bis er sich in der Nachbarschaft anheftet. Dann benötigt sie etwa eine Stunde, bis das Radnetz fertig ist und hat etwa 20 Meter Faden verbraucht. In der Mitte wartet sie nun auf Beute - pro Tag braucht sie etwa drei Fliegen.
Spinnen haben raffinierte Tricks erfunden, um an Beute zu kommen: Die Veränderliche Krabbenspinne kann ihre Farbe der Blütenfarbe anpassen, auf der sie lauert. Speispinnen können klebrige Spinnfäden “ausspeien” und diese wie ein Lasso über Mücken werfen. Die Springspinnen – sie sind nur 6 mm groß – pirschen sich an ein Insekt an und springen dann plötzlich zu. Jagdspinnen können nicht nur tauchen, sondern tatsächlich Fische fangen. Die raffinierteste Spinnenart ist jedoch der “Spinnenfresser”. Abends sucht er nach fremden Netzen und zupft dort an den Fäden. Wenn die Bewohnerin in Erwartung einer Beute herbeieilt, wird sie sofort gebissen und gelähmt.
 

  Fütterung der Rohrweihenjungen
Luftakrobatik mit höchster Präzision


Bildquelle Dieter Haas
Etwa ab 20.Juli bis Mitte August kann man über dem Federseeschilf ein faszinierendes Schauspiel erleben: die Fütterung der jungen Rohrweihen durch ihre Eltern. Das Verblüffende daran ist, dass die Übergabe des Futters in der Luft erfolgt! Auf Büschen im Federseeschilf sitzend, warten die jungen Rohrweihen darauf, dass ihre Eltern mit einer Maus in den Fängen zurück kehren. Fliegt der Altvogel über ihren Sitzplatz, steigen sie auf, um im richtigen Moment die Beute aufzufangen, die das Elterntier fallen lässt. Das erfordert einige fliegerische Übung und höchste Präzision in der Abstimmung!
Rohrweihen sind seltene Greifvögel, die ihre Nester im Schilf am Boden anlegen. Jedes Jahr brüten im Federseeschilf ca. 15 der insgesamt nur etwa 25 Brutpaare Baden-Württembergs.
 

  NABU-Naturschutzzentrum Federsee
Federseeweg 6
88422 Bad Buchau
Tel: 0 75 82 / 15 66
Fax: 0 75 82 / 17 78
eMail:
Träger des Naturschutzzentrums
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Landesverband Baden-Württemberg
 

 

 

 
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