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NABU Naturschutzzentrum Federsee
> Aktuell > aktueller Naturbeobachtungstipp

  Naturbeobachtung im Januar
Energie sparen ist angesagt

 
Kornweihenweibchen - Andreas Klein
Im Januar hält die Natur den Atem an. Energie sparen ist angesagt, mit den Kräften haushalten. Daher sind viele Tiere im Winter äußerst friedlich, so suchen verschiedene Meisenarten, Kleiber, Baumläufer und Wintergoldhähnchen in gemischten Schwärmen im Wald nach Nahrung - das wäre während der Brutzeit undenkbar!
Einzelne Kornweihen halten sich jetzt im Federseemoor auf. Abends versammeln sie sich an traditionellen Schlafplätzen. In mäusereichen Jahren können es bis über 60 Exemplare sein - für die Kornweihe ist das Federseemoor das wichtigste Überwinterungsgebiet im südlichen Mitteleuropa.
An eisfreien Gräben sieht man häufig einzelne Silberreiher stehen. Sie laufern auf Fische. Auf den Wiesen entdeckt man regelmäßig Rehe beim Äsen.
Beim Spaziergang auf dem Federseesteg begegnen dem Besucher die hübschen Bartmeisen, daneben entdeckt man immer wieder Blaumeisen, die die Halme nach versteckten Inseken abklopfen.
Ist der See offen, sammeln sich große Trupps Enten, Höckerschwäne, Haubentaucher und Gänsesäger. Kormorane und Graureiher stehen statuengleich am Ufer. Die Große Rohrdommel zu entdecken, ist dagegen eher Glückssache. Gelegentlich flitzt ein Eisvogel über den Kanal.
 

  Barfuß auf Schnee und Eis
Raffinierter Wärmetauscher im Entenfuß

 
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Ente und Schwan auf Schnee und Eis nicht festfrieren? Eine raffinierte Anordnung der Blutgefäße in ihren Beinen wirkt wie ein Wärmetauscher und hält deren Temperatur immer knapp über dem Gefrierpunkt - obwohl der Körper etwa 40 °C warm ist! So tauen sie das Eis, auf dem sie stehen, nicht an und können also auch nicht festfrieren. Besonders raffiniert: Im Blut gelöste Salze verhindern ähnlich wie Frostschutzmittel das Gefrieren des Blutes.
 

  Gänsesäger sind zu Besuch
Auffällige Wintergäste aus dem hohen Norden am Federsee


Gänsesägermännchen - Dieter Haas
Einer der auffälligsten Vögel am winterlichen Federsee ist der Gänsesäger. Oft kann man ihn inmitten von Enten beobachten – Gänsesäger sind recht gesellig. Im Winter halten sie sich bevorzugt an fischreichen Seen auf. Ihre Hauptbrutgebiete liegen in der nordischen Taiga.
Die Männchen sind auffallend hübsch: der Körper überwiegend weiß mit einem zarten rötlichen Anflug auf der Unterseite, Kopf und Hals dagegen leuchtend schwarzgrün, die Schultern schwarz. Die Weibchen sind aschgrau mit rotbraunem Hals und Kopf.
Von Enten unterscheiden sie sich durch ihre schlankere Gestalt und den dünnen geraden Schnabel. Dieser ist vorne zu einem Haken gebogen und hat an den Seiten kleine Sägezähnchen - eine Anpassung an die Fischjagd, eine für Enten recht ungewöhnliche Ernährungsmethode!
Friert der Federsee zu, finden Gänsesäger hier keine Nahrung mehr und weichen auf offene Seen aus.
 

  Der Buntspecht
Holzhacker und Nussknacker


Buntspecht - Franz Mertens
In den Naturwäldern rund um den Federsee kann man viele Spechthöhlen entdecken. Wo Totholz nicht entfernt wird, finden die gefiederten Zimmerleute einen optimalen Lebensraum. Daher sind am Federsee verschiedene Spechtarten heimisch, z.B. Buntspecht, Schwarzspecht, Grünspecht und Grauspecht. Am häufigsten ist der Buntspecht. Im Sommer frisst er Insekten wie Ameisen, Blattläuse und Käferlarven sowie Spinnen. Vier Zentimeter weit kann er seine borstige Zunge hervor strecken und die Beute wie mit einer Harpunenspitze aufspießen. Im Winter frisst er vor allem Samen.
Mehr als jede andere Vogelart sind Spechte auf Holz angewiesen: Im Holz lebt ihre Nahrung, sie legen dort Vorratskammern, Schlafhöhlen und Kinderstuben an und verständigen sich per Holztelefon: Durch Klopf- und Trommelsignale. Ihre Bruthöhlen zimmern sie in stammfaulen Bäumen. Da Spechte jedes Jahr mehrere Höhlen bauen, sind sie die „sozialen Wohnungsbauer“ des Waldes. Verlassene oder halb fertige Spechthöhlen finden schnell dankbare Nachmieter: Meisen, Kleiber, Eulen, Hohltauben, Siebenschläfer, Wildbienen und Fledermäuse.
 

  Kormoran
Wintergast am Federsee

 Junger Kormoran
Nachdem er jahrzehntelang nur als seltener Gast auftauchte, gehört der Kormoran heute am Federsee wieder zu den regelmäßigen Durchzüglern und Überwinterern. Im September erscheinen die Kormorane aus ihren Brutgebieten. Bis Ende April sind sie dann vor allem auf den im Winter verwaisten Brutflößen der Flussseeschwalben zu sehen, wo sie nach Tauchgängen ihr Gefieder trocknen. Hier finden sie Ruhe und Schutz. Sie ernähren sich von den zahlreichen Kleinfischen des Sees. Allabendlich verlassen sie den Federsee, um an der Donau einen gemeinsamen Schlafplatz aufzusuchen.
 

  Winterspaziergänge am Federsee
Zauberhafte Stimmungen bei Eis und Schnee


Friert der Federsee zu, weichen die Wasservögel auf eisfreie Gewässer wie den Bodensee aus. Am längsten offen bleibt der Federseekanal.
Spaziergänge zum Federsee haben jetzt einen ganz besonderen Reiz: Sobald die Eisschicht trägt, kann man sich von Tiefenbach aus auf´s Eis wagen und das Federseemoor von einem ganz anderen Blickwinkel - von der Wasserseite aus - betrachten. Dann glitzern überall Eiskristalle an den Schilfstängeln, die Sonne spiegelt sich in der Eisfläche. Das andere Seeufer lädt zu einem Spaziergang quer übers Eis ein. Sportliche Naturen bewältigen die Strecke in kurzer Zeit mit Schlittschuhen. Der See wird allerdings nicht frei gegeben, das Begehen erfolgt auf eigene Gefahr!
Tabu sollten in jedem Fall die Uferzonen bleiben: Die hier lebenden Vögel dürfen nicht gestört werden - jede unnötige Bewegung durch Erschrecken kostet wertvolle Energie.
 

  Exotische Silberreiher am See
Schneeweiße Gäste am Federseeufer


Bildquelle Franz Mertens
Im Herbst und Winter kann man am Federsee häufig größere Mengen schneeweißer Reiher beobachten: Silberreiher. Sie haben etwa die Größe eines Graureihers, sind aber schlanker und haben einen besonders langen Hals. Ihre reinweiße Farbe macht sie unverwechselbar.
Silberreiher sind keine Brutvögel am Federsee, jedoch im Winter und besonders zu den Zugzeiten regelmäßige Gäste. Häufig übernachten sie zu mehreren auf einer Insel am Nordufer des Sees an einem gemeinsamen Schlafplatz.
Beste Beobachtungsstandorte: Besucherplattform am Ende des Federseestegs (gegenüber liegendes Seeufer) sowie Aussichtsturm in der Mitte des Federseestegs (kanalabwärts, rechtes Kanalufer).
 

  Kornweihen am Schlafplatz
Einer der seltensten Greifvögel überwintert am Federsee


Kornweihenweibchen - Jochen Dierschke
Zurzeit sind prominente Gäste zu Besuch am Federsee: Kornweihen, seltene Greifvögel, die regelmäßig im Federseeried überwintern. Sie kommen aus dem hohen Norden hier her. Der Federsee ist der bedeutendste Überwinterungsplatz für Kornweihen im südlichen Mitteleuropa. Eine Zählung Ende November ergab etwa 40 Tiere!
Die Männchen sind grau mit schwarzen Flügelspitzen, die Weibchen braun. Beide sind an ihrem typischen weißen Bürzel leicht zu erkennen. Der beste Beobachtungsstandort ist der Aussichtsturm des Federseestegs - häufig liegt der Schlafplatz nur einige Hundert Meter südöstlich davon. Ein weiterer Schlafplatz liegt in einer renaturierten Fläche im südlichen Federseeried. Dort wurden vor 15 Jahren im Rahmen eines EU-Förderprojektes wieder ausreichend hohe Moorwasserstände geschaffen.

zur Pressemitteilung
 

  NABU-Naturschutzzentrum Federsee
Federseeweg 6
88422 Bad Buchau
Tel: 0 75 82 / 15 66
Fax: 0 75 82 / 17 78
eMail:
Träger des Naturschutzzentrums
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Landesverband Baden-Württemberg
 

 

 

 
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