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NABU Naturschutzzentrum Federsee
> Aktuell > aktueller Naturbeobachtungstipp

  Naturbeobachtung im September
Aufbruchstimmung und Vorbereitung auf den Winter

Brachvögel im Zug
Trupp ziehender Großer Brachvögel
Im September kann man eine Reihe interessanter Durchzügler im Federseemoor beobachten: In den Wiesen rasten Bekassinen, Wiesenpieper und Rohrammern, einzelne Braun- und Schwarzkehlchen ziehen durch. Auf kurzgrasigen Flächen suchen große Schwärme von Staren nach Nahrung. Auf den ungemähten Wiesen geht die Blütezeit zu Ende: Noch blüht der intensiv violette Blutweiderich und einzelne Stauden des Mädesüß, die doldenartigen Blütenstände des Engelwurz vertrocknen bereits.
Das Schilf färbt sich langsam braun und bildet Samen. In wenigen Wochen hat sich das grüne Gesamtbild in braun gewandelt. Auffallend sind die roten, winzigen Tomaten ähnlichen Früchte des Bittersüßen Nachtschattens, einer Rankepflanze. In den geschützen Schilfwäldern rasten verschiedene Zugvögel: Teich- und Schilfrohrsänger, Rohrammer, Zilpzalp und Fitis. Vormittags sind am Steg regelmäßig Schwärme von Bartmeisen zu sehen. Nach der Brutzeit sind sie jetzt wenig scheu und turnen oft vor den Augen des Besuchers auf dem Geländer des Federseestegs. Abends finden sich Schwärme von Staren, Rauchschwalben und Bachstelzen zum Schlafen im Schilf ein.
Auf dem Federsee sieht man die Blattteppiche der Teichrosen, auf denen durchziehende Watvögel rasten. Mit etwas Glück kann man einen Eisvogel oder einen Fischadler beobachten.
 

  Igel - jetzt auf Wanderschaft
Nicht jeder kleine Igel ist hilfsbedürftig

 
Daniel Schmidt
Schon im August bis in den Herbst hinein kann man ab Dämmerungseinbruch wieder Igel auf Nahrungssuche beobachten. Sie haben es auf Regenwürmer, Laufkäfer und andere Insekten abgesehen, um sich das nötige Fettpolster für den Winterschlaf anzufressen. Ein gutes Gehör und die exzellente Nase helfen beim Aufspüren der Beute. Ihr kräftiges Panzerknackergebiss wird sogar mit den harten Chitinpanzern der Käfer fertig.
Da die meisten Igel im August und September geboren werden, handelt es sich bei kleinen Tieren häufig um Jungigel. Aus Sorge wollen viele Tierfreunde einen im Herbst „herum irrenden“ Igel gleich mitnehmen und im Haus überwintern. Aber nicht jeder Igel braucht Pflege! Grundsätzlich dürfen nur hilfsbedürftige Igel in menschliche Obhut genommen werden. Dazu zählen verletzte und kranke Igel, außerdem verwaiste Igelsäuglinge. Jungigel mit einem Gewicht von unter 500 Gramm Anfang November sind fast immer hilfsbedürftig, daneben Tiere, die nach Wintereinbruch tagsüber herumlaufen. Der Finder sollte so schnell wie möglich Kontakt zu einer Igelstation oder einem Tierarzt aufnehmen.
 

  Kletterakrobaten im Schilf
Jetzt Bartmeisen beobachten

 
Bartmeisenmännchen (Tom Dove)
Im Herbst ist die beste Zeit, Bartmeisen zu beobachten. Als typische Schilfbewohner sind Bartmeisen echte Kletterkünstler: Geschickt turnen sie durch das Gewirr der Stängel, gehen in die Grätsche oder hängen Kopf unter an den Halmen, um die Samenstände der Schilfhalme besser zerpflücken zu können. Auch auf dem Geländer des Federseestegs kann man sie jetzt beobachten, denn nach der Brutzeit sind sie wenig scheu.
Wer die außergewöhnlichen Akrobaten beobachten möchte, sollte sich vor allem in den Morgen- und Vormittagsstunden auf den Weg machen.
Bartmeisenmännchen sind auffallend apart mit ihrem grauen Kopf und den Flügelbinden aus Weiß, Schwarz und Hellbraun. Man erkennt sie an ihrem schwarzen "Bart" aus verlängerten Federn. Die Weibchen sind eher einfarbig zimtbraun.
 

  Spätblüher
Schlusslicht im Blütenreigen


Im Hochsommer ist die größte Blütenvielfalt auf den Feuchtwiesen vorbei. Trotzdem gibt es Arten mit einer besonders späten Blütezeit, die so genannten Spätblüher. Dies ist für eine durchgehende Nektarversorgung der Insekten besonders wichtig. Erst spät im Sommer blüht zum Beispiel eine besonders wehrhafte Schönheit, die Sumpfkratzdistel. Sie ist eine typische Pflanzen der Feucht- und Nasswiesen und wird bis zu zwei Metern hoch. Schon von weitem fallen ihre lila Blütenköpfe als auffällige Farbtupfer auf den nicht gemähten Wiesen ins Auge.
Ein weiterer "Spätzünder" unter den Blumen zeigt sich erst im Herbst in seiner vollen Pracht: Der Teufels-Abbiss. Seine hellvioletten kugeligen Köpfchen leuchten schon von weitem auf der frei gehaltenen Lichtung im Banngebiet Staudacher. Die Anordnung der vielen Einzelblüten zu einem kugeligen Köpfchen verstärkt die Schauwirkung noch: Er hat es auf bestäubende Insekten abgesehen.
Bereits im Mittelalter nutzten die Menschen die Heilkraft des Teufels-Abbiss bei Epilepsie und Pest. Selbst bei Gonorrhoe sollte er helfen. Heute wird er gegen Durchfall und zur Blutreinigung eingesetzt. Der seltsame Name kommt vom eigentümlichen Aussehen der Wurzel. Der Teufel soll sich, so glaubte man, über diese nützliche Heilpflanze so geärgert haben, dass er ihre Wurzel abbiss, um sie zu zerstören. Die Wahrheit ist natürlich, daß der Wurzelstock von unter her abstirbt und dadurch tatsächlich wie abgebissen aussieht.
 

  Das Moor lädt zu stimmungsvollen Spaziergängen ein
Zauberhafte Herbstnebel

 
„O schaurig ist´s, übers Moor zu gehen…“: So beginnt das wohl bekannteste Gedicht der Annette von Droste-Hülshoff. Von Phantomen und Dünsten ist die Rede, das Moor zischt und knistert – das war noch vor 150 Jahren die Vorstellung über Moore. Die Beziehung der Menschen zum Moor war geprägt von Aberglaube und einem mühevollen Kampf mit diesem Lebensraum. Jahrhundertelang wurden Moore entwässert, um ihnen Flächen für die Landwirtschaft abzugewinnen.
Heute sind etwa 95 Prozent unserer Moore zerstört, die verbleibenden Moorreste zu kleinräumig, als dass ein Verirren möglich wäre. Längst gibt es am Federsee stabile Holzstege – und dennoch: Wenn über den Wiesen die Herbstnebel wallen, die Moorbirken nur noch schemenhaft zu erkennen sind... dann bekommt man den Hauch einer Ahnung, wie unheimlich Moore den Menschen waren!
 

  Im Herbst rasten seltene Zugvögel am Federsee
Gute Beobachtungsmöglichkeiten auf dem Federseesteg


Beobachtungsstandort Federseesteg
Jetzt im Herbst bietet der Federsee besonders interessante Beobachtungsmöglichkeiten für Naturfreunde. Der Vogelzug hat begonnen. Als Europa-Vogelreservat ist das Federseemoor Brut- und Rastgebiet für über 270 Vogelarten.
Zurzeit machen seltene Watvögel aus dem hohen Norden bei uns Rast. Sie verraten sich durch auffallende, melodische Rufe, darunter Rot- und Grünschenkel, Bruchwasserläufer, Flussuferläufer und Alpenstrandläufer.
Doch nicht nur Vogelspezialisten kommen auf ihre Kosten, aufmerksame Spaziergänger können auch schillernde Eisvögel entdecken, mit etwas Glück sogar einen durchziehenden Fischadler bei der Jagd über dem Wasser beobachten. Gelegentlich stehen auffällige schneeweiße Silberreiher statuenartig neben ihren grauen heimischen Kollegen am Ufer.
Im Schilf rasten verschiedene Rohrsänger und Rohrammern. In den Morgen- und Vormittagsstunden ist die beste Zeit, um die exotischen Bartmeisen zwischen den Schilfhalmen auszumachen. Dort klettern sie mit der Geschicklichkeit von Akrobaten an den Stängeln.
Langsam beginnt die Zeit des Wasservogelzugs: Verschiedene Entenarten - am häufigsten Stockente, Tafelente, Reiherente, Krickente und Schnatterente - sowie Kormorane und Haubentaucher rasten auf dem See. Daneben kann man Grau- und Silberreiher, Trauerseeschwalbe und Lachmöwe beobachten.
 

  Spinnen - jetzt beobachten
Jäger und Fallensteller

 
Bildquelle NABU/Reufsteck
Wer im Spätsommer und Frühherbst einen Morgenspaziergang macht, wird mit zauberhaften Kunstwerken belohnt – mit Tautropfen besetzte Spinnennetze, ungemein pfiffige Konstruktionen. Kreuzspinnen spannen große, stabile Radnetze, Trichterspinnen röhrenartige Trichter. Baldachinspinnen weben im Gebüsch einen Netzteppich, von dem “Stolperfäden” nach oben führen, die fliegende Beute zum Absturz bringen. Es lohnt sich, einer Kreuzspinne beim Spinnen zuzuschauen: Aus einer Spinndrüse am Hinterleib presst sie einen hauchfeinen, aus bis zu 600 Einzelfäden bestehenden Seidenstrang, läßt ihn vom Wind verdriften, bis er sich in der Nachbarschaft anheftet. Dann benötigt sie etwa eine Stunde, bis das Radnetz fertig ist und hat etwa 20 Meter Faden verbraucht. In der Mitte wartet sie nun auf Beute - pro Tag braucht sie etwa drei Fliegen.
Spinnen haben raffinierte Tricks erfunden, um an Beute zu kommen: Die Veränderliche Krabbenspinne kann ihre Farbe der Blütenfarbe anpassen, auf der sie lauert. Speispinnen können klebrige Spinnfäden “ausspeien” und diese wie ein Lasso über Mücken werfen. Die Springspinnen – sie sind nur 6 mm groß – pirschen sich an ein Insekt an und springen dann plötzlich zu. Jagdspinnen können nicht nur tauchen, sondern tatsächlich Fische fangen. Die raffinierteste Spinnenart ist jedoch der “Spinnenfresser”. Abends sucht er nach fremden Netzen und zupft dort an den Fäden. Wenn die Bewohnerin in Erwartung einer Beute herbeieilt, wird sie sofort gebissen und gelähmt.
 

  NABU-Naturschutzzentrum Federsee
Federseeweg 6
88422 Bad Buchau
Tel: 0 75 82 / 15 66
Fax: 0 75 82 / 17 78
eMail:
Träger des Naturschutzzentrums
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Landesverband Baden-Württemberg
 

 

 

 
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